Für mich gibt es keinen Sieg und keine Niederlage und keine Leere. Alles ist voll bis zum Rand, und alles ist gleich, und mein Kampf lohnt sich für mich. Um ein Wissender zu werden, muß man ein Krieger sein, kein wimmerndes Kind. Man muß kämpfen, ohne aufzugeben, ohne zu klagen und ohne zurückzuweichen, bis man sieht, nur um zu erkennen, daß nichts wichtig ist.

Carlos Castaneda II 77

Der Sinn des Ganzen

Einige mögen sich fragen, was der Sinn und der Zweck der Weltsicht der Tolteken oder überhaupt irgendeiner Philosophie oder Religion ist. Wozu die ganzen Mythen, Regeln und Techniken, wozu eine bestimmte Lebensweise verfolgen und sich Gedanken über sein Leben und dessen mögliche Ziele machen. Wozu sich anstrengen und nicht einfach nur ein ganz normales Leben im hier und jetzt leben, ohne irgendein nicht direkt greifbares Ziel.
Das Leben an sich ist doch schon Herausforderung genug.

Es stellt sich aber dann doch vielleicht irgendwann einmal die Frage, ob es neben Geburt, in der Welt sein, materielle Freuden und Leid erleben, Altern und Sterben noch einen anderen Sinn und Zweck des Daseins gibt.
Um zu versuchen diesen zusätzlichen Sinn aufzuklären, ist aber entgegen der bisherigen Wahrnehmung eine völlig neue Betrachtung der Welt notwendig.

Unser gesamtes Weltbild ist durch unsere Erziehung meist relativ starr und fest geworden und genügt dann hauptsächlich den Anforderungen, die in dieser Welt offensichtlich sind und unsere materille Existenz bereichern und erhalten. Nur besondere Ereignisse, wie zum Beispiel, große Verluste, Krankheiten und andere Lebenskrisen veranlassen uns ein festgefahrenes Weltbild und seinen Sinn in Frage zu stellen und dann vielleicht auch unser Denken und Handeln zu ändern

Die offene Fragestellung könnte zum Beispiel sein: Wozu war/ist mein Leben gut. War/ist mein Leben lebenswert. Was bleibt von mir?
Die Antwort könnte natürlich sein: Ich habe viel Freude gehabt und viel Besitz, habe die Welt gesehen, viel Anerkennung erfahren, ich wurde geliebt, ich habe tolle Kinder großgezogen, usw., usw. Aber all das sind nur Momente im Leben, wie Spuren im Sand, die irgendwann der Wind verweht (außer die Kinder, die das irdische Leben mutmaßlich weiterführen und entwickeln).
Die Freude war immer nur momentan, der erschaffene Besitz vergeht, die Anerkennung und das geliebt werden, bleibt eine Zeit vorhanden und löst sich mit dem Tod in ein Nichts auf?

Wenn man also weiter nach dem Sinn und Zwecks fragt, ist man vielleicht irgendwann gezwungen sich nicht nur mit unserer Physis und Psyche sondern darüber hinaus mit dem Abstrakten, nicht sofort greifbaren in der Welt auseinanderzusetzen.
Aber nach tiefergreifenden Wahrheiten zu suchen kann auch in die Irre führen, die abgekoppelt vom „normalen Leben“ völlig nutz- und sinnlos sein können.
Deshalb sollte wir nicht aufhören weiter Fragen zu stellen und vor allem sollten wir nie aufhören alles „in Frage zu stellen“ und nur zu Glauben.

Die toltekische Erklärung

Laut Überzeugungen der toltekischen Seher ist die Welt und unser Dasein nicht ganz so fest, wie wir es von Geburt an, von unsere Mitwelt vermittelt bekommen haben.
Die toltekische Lehre geht davon aus, dass alles was existiert eine Form von Energie ist. Diese Energie formt sich aufgrund von gemachten Erfahrungen zu unterschiedlichen unabhängigen Energieeinheiten.
Gleichzeitig ist aber alles mit allem verbunden und trägt zur allgemeinen Entwicklung des Großen und Ganzen bei. Alle eigenständigen Energiefelder haben sich im Laufe der Evolution immer weiter entwickelt oder sind in andere Seinszustände übergegangen. Unsere Geburt passiert laut dieser Weltsicht also nicht aus Zufall, sondern ist die Konsequenz einer kausalen Kette von Ereignissen.
Jeder dieser Einheiten hat damit also nicht nur die Gelegenheit sich zu entwickeln, sondern ist gleichzeitig aufgrund seiner Konditionierung gezwungen einen bestimmten Zustand zu verkörpern.

Aufgrund dieses Umstandes wurden von den Sehern verschiedene Techniken zur Vervollkommnung der eigenen Energieeinheit, der eigenen Bewußtheit entwickelt.
Diese Techniken sind das Pirschen, das Träumen und die Bemeisterung der Schicksalsmacht, die Absicht.

Das Pirschen ist eine Technik zur Kontrolle des eigenen Verhaltens im Alltag. Dazu gehört seine Selbstsucht zu besiegen, Situationen und Auseinandersetzungen im Leben für das innere Wachstum zu nutzen und die eigenen gemachten Erfahrungen zu rekapitulieren, um sie dann loszulassen zu können.

Beim Träumen geht es um die Verarbeitung von Lebensereignissen und das Erreichen der Kontrolle des eigenen Bewußtseins mittels möglichst luzider Träume. Außerdem um das Anhalten des inneren Dialogs (den Platz des stillen Wissens erreichen) mittels Schulung verschiedenster Fertigkeiten und das Erreichen von außerkörperlichen Erfahrungen durch das nutzen dieser anderen Seinszustände.

Die dritte Technik, die Bemeisterung der Absicht beschreibt die durch der Summe von Handlungen beider Techniken, Pirschen und Träumen erlangte Fähigkeit die Schicksalsmacht, durch den eigenen gestärkten Willen und auch durch das Erkennen von Zeichen zu beeinflussen und nicht mehr in zwanghafter Abhängigkeit zu handeln.

Durch diese Techniken wird Energie aufgespart und Wissen erworben und es werden alle im Leben gemachten Erfahrungen, die noch nicht verarbeitet und geklärt wurden aufgearbeitet, um beim Sterben durch die erlangte Bewußtheit möglichst weit durch den Tunnel des Lichts (die Tolteken nennen es als das Rad der Zeit) voran zu kommen und nicht mehr festzuhängen. Dabei zählt jeder Millimeter.
Im bestmöglichen Fall wird ein Grad der Bewußtheit erreicht (die Ganzheit des Selbst), die nicht mehr zum Zerfall und zur Auflösung der eigenen Bewußtheit führt, sondern alle Emanationen des Großen und Ganzen sofort erfahrbar macht (verbrennen am Feuer von Innen).
Man ist in seiner vollen Bewußtheit ein Teil des Unfassbaren, Unaussprechlichem.

Im ungünstigsten Fall löst sich die erreichte Bewußtheit wieder im ursprünglichen Energie-Agglomerat (des Adlers) auf und evolutioniert dadurch alles Weitere. Entsprechend der erworbenen Energien formt sich nach dem Prinzip der Anziehung und Abstoßung eine neue individuelle Existenz, die neue Erfahrungen machen und verarbeiten muß/kann/darf.

Wie ein Kirschbaum der Umwelteinflüssen ausgesetzt ist, Früchte trägt, dessen Fruchtfleisch vergeht und aus dem Kern wieder neues Leben, aber durch die Umwelteinflüsse, verändertes Leben entsteht.

Vorteile des toltekischen Wissens für die eigene Lebensweise:

1. Möglichkeiten schaffen: Sich für alle Möglichkeiten und Potentials des Lebens öffnen. Neue Erfahrungen zulassen.

2. Kausalität (Verantwortlichkeit) erkennen: Zusammenhänge begreifen. Aktionen und Reaktionen liegen in unserer Verantwortung.

3. Essentielles Wachstum erreichen: Widrigkeiten und Probleme als Chance zu begreifen sich zu entwickeln.

4. Kraft und Wissen sammeln: Sich bewußt werden das mögliche an eigenem Lebenspotential auszuschöpfen.

5. Beweglich erhalten: Veränderung, Wandlung fördern und zulassen. Flexibel bleiben.

6. Anhaftungen lösen: Die Wirklichkeit und die eigenen Erwartungen immer wieder hinterfragen und hinter die Dinge blicken(sich selbst anpirschen).Lernen loszulassen (Rekapitulieren der Vergangenheit und Gegenwart).
Die Selbstsucht(auch eine Form der Anhaftung) abbauen. Die eigene Wichtigkeit hinterfragen(Eigendünkel bekämpfen).

7. Einen achtsamen und aufmerksamen Umgang mit der Mitwelt entwickeln: Andere Potentiale des Daseins anerkennen und sich entsprechend zu verhalten.

8. Bewußtheit entwickeln: Bewußt und immer mehr im Einklang(Harmonie) mit seinem Umfeld zu leben. Eine ruhige, kontrollierte Betrachtungsweise für das eigene Leben bewirken( Platz der Inneren Stille erreichen).