Die Rekapitulation des Lebens
Das Ziel der Tolteken ist sich zu vervollständigen und mit der Ganzheit ihres Selbst in ihrer vollen Bewußtheit zu der ursprünglichen Kraft zurückzukehren aus der sie ursprünglich stammen. Dafür müssen sie alle Erlebnisse ihres Lebens noch einmal in voller Aufmerksamkeit und Härte durchleben, um so eine Kopie ihres Bewusstseins anzufertigen, daß sie dann der schöpfenden Macht zur Verfügung stellen. Anders gesagt, werden die durch das Leben geschaffenen und noch vorhandenen Ecken und Kanten durch die Rekapitulation vollends beschliffen, um glatt durch den Tunnel des Lichts(Rad der Zeit) gehen zu können, ohne an irgendeiner Stelle festzuhaken und vielleicht in einer neuen vielleicht nicht so erfreulichen Existenz, neu Geburt nehmen zu müssen.
Rekapitulation
Das gewinnen und auch das zurückholen von verlorengegangener Energie, ist eines der entscheidendsten Bestrebungen eines Praktizierenden. Ohne genug Energie zu haben, bleibt auch die offensichtlichste Offenbarung unverständlich und kann nicht genutzt werden. Alle Handlungen des Kriegers sowohl in der Alltagswelt auch in den Tiefen des Unbekannten erfordert Energie, ohne die niemals eine andere Wahrnehmung, andere Erkenntnisse und damit auch andere Handlungen möglich sind.
Viele Erlebnisse, Kämpfe verursachen emotionale Anhaftungen und hinterlassen Spuren an unserem Energiekörper, manche sogar lebenslange Traumata. Eines der direkt nutzbaren Technik eines Kriegers ist es, mittels der Rekapitulation jedes prägende Ereignis, noch einmal in allen Einzelheiten zu durchleben, zu verarbeiten und dann loszulassen.
In den Büchern von Castaneda wird beschrieben wie zu diesem Zwecke bestimmte Orte aufgesucht, Erdsärge und Rekapitulationskisten gebaut und Rekapitulationslisten angelegt werden. Erst dann erfolgt das eigentliche Erinnern an die Ereignisse.
Die Vorgehensweise ist dabei folgende:
1. Das bewußte oder auch zeremonielle schaffen einer Rekapitulationsumgebung (Kiste, Erdsarg, Höhle oder Erdloch).
2. Erreichen einer Vorstufe eines Zustands der inneren Leere, die es ermöglicht wichtige Ereignisse aus dem Bewußtsein zu holen, die den Anfang des Erlebten kennzeichnen.
3. Diese Ereignisse auf einer Liste aufschreiben.
Hierzu kann man sich in zeitlicher Abfolge von der Vergangenheit aus oder von der Zukunft ausgehend an das entsprechende Ereignis erinnern. Dabei kann je nach Wichtigkeit und Intensität des Erlebten und Neigung mit verschiedenen Ansätzen begonnen werden.
4. Verinnerlichen und wiedererleben eines Erlebnisses, indem man sich jede Einzelheit des Erlebten bewußt macht. Hierfür ist eine Form der inneren Ruhe (Leere) erforderlich, die aber gleichzeitig voll von der Intensität des Erlebten ist, insbesondere der dabei empfundenen Emotionen. In diesem Moment durchlebt man mit allen Sinnen dieses Erlebnis, man ist wieder vollkommen in diesem Moment.
5. Dann atmet man diesen Moment, dieses ganze Gefühl, die ganze Emotion ein, indem man den Kopf nach links dreht, hält die Emotionen und den Atem und läßt diese Gefühl mit einem leichten rechtsdreh des Kopfes los und atmet aus.
Diese Emotionen können je nach Intensität immer wieder hervorgeholt, durchlebt und losgelassen werden, bis sie immer bedeutungsloser werden. Es kommt häufig zu starken emotionalen Reaktionen, wie Wut, Trauer, Verzweiflung und auch Scham. Im Laufe der Rekapitulation eines Erlebnisses wird häufig ein inneres Lachen eine Losgelöstheit und eine tiefe Freude empfunden. Dieser Vorgang wird solange wiederholt, bis keine tiefere emotionale Bindung mehr zurückbleibt. Danach kann das Erlebte ohne Emotion betrachtet werden und man hat keine gefühlsmäßige Bindung mehr zu diesem Ereignis. Die Energie wurde zurückgewonnen.
Die bewegte Rekapitulation
Eine andere Methode die angewandt werden kann, um sich verlorene Energie zurückzuholen, ist die bewegte Rekapitulation, die im ständigem Sein und Tun des Lebens praktiziert wird. Dabei wird das erlebte, gerochene, gesehene, gefühlte genutzt, um sich zu erinnern. Auch wieder an die Orte des Geschehens zu gehen, kann sehr hilfreich sein, umso mehr Faktoren zusammenkommen können desto besser und tiefer wird die Erinnerung sein.
Im Moment des Wiedererlebens sollte man sich alle Zeit geben, die es braucht um alle Emotionen wieder und wieder aufsteigen zu lassen und sich diesen hinzugeben. Zeitdruck oder äußere Bindungen sind auf ein Minimum zu reduzieren, was sich in einer offenen Umgebung manchmal einschränkend auswirken kann. Hierzu braucht es mehr Disziplin als wenn man sich einen abgeschlossen Bereich schafft. Aber selbst wenn die Bedingungen nicht vollends passen, können mit dieser Methode Teilerfolge für dieses Erlebnis erzieht werden. Der Nachteil dieser Methode ist, daß man im ungünstigen Fall immer wieder beim selben Thema ansetzen muß und eine Rekapitulation eines Ereignisses recht lange dauern kann.