Der Pirscher nutzt für sein spirituelles Wachstum im Gegensatz zum Träumer die Alltagswelt.
Ursprünglich entstammt der Begriff des Pirschens, aus dem archaischen Kontext der Jagd. Es bezeichnet Handlungen die ein Jäger ausführt, um bei der Jagd erfolgreich zu sein. Auch der toltekische Krieger befindet sich auf der Jagd. Auf der Jagd nach Kraft und Wissen muß er sich den Widrigkeiten der Mitwelt, seinem Jagdgrund, aber auch den eigenen Unzulänglichkeiten stellen.
Dabei nutzt er für seine Entwicklung, die verschiedensten ausgeklügelten Strategien, die als die Regeln des Pirschens bezeichnet werden. Diese Regeln zeigen ihm Wege hin zum Wissen auf und disziplinieren den Geist des Pirschers. Wie bei der anderen Technik, dem Träumen wird auch hier hauptsächlich eine Verschiebung des Punktes der eigenen Wahrnehmung ( des Montagepunktes) angestrebt, um zum Beispiel den Eigendünkel zu bekämpfen, andere Ebenen der Bewußtheit kennenzulernen und Energie zu gewinnen.
Nachfolgend werden die verschiedenen Punkte der Regeln des Pirschens aufgeführt.
Gebote des Pirschens(Die Welt ist ein Geheimnis)
1. Der Krieger betrachtet die Welt als unergründliches Geheimnis.
2. Der Krieger macht sich auf den Weg diese Geheimnisse zu ergründen, ohne zu erwarten und ohne die Hoffnung zu haben dieses Mysterium letztendlich zu verstehen.
3. Auch der Krieger als Teil der Welt sieht sich als Teil dieses Mysteriums.
Prinzipien des Pirschens
1. Ein Krieger wählt sein Schlachtfeld selbst.
2. Ein Krieger läßt alles Unnötige beiseite.
3. Ein Krieger schlägt immer seine letzte Schlacht auf der Erde
4. Ein Krieger handelt losgelöst ohne innere Zwänge
5. Ein Krieger zieht sich bei Bedarf zurück
6. Ein Krieger verdichtet die Zeit.
7. Ein Krieger nimmt sich nicht wichtig. Ein Krieger ist demütig.
| 1. | Rücksichtslosigkeit | ist nicht | Härte | |||
| 2. | List | ist nicht | Grausamkeit und Heimtücke | |||
| 3. | Geduld | ist nicht | Nachlässigkeit oder Faulheit | |||
| 4. | Sanftheit | ist nicht | Albernheit und Schwäche |
Attribute des Pirschens (vier physische, ein abstraktes und ein äußeres Element)
1. Voraussicht
2. Disziplin
3. Kontrolle
4. Momentum
5. Wille (abstraktes Element)
6. Die kleinen Tyrannen (das äußere Element)
Die Auseinandersetzung mit sich selbst und seiner Mitwelt, verlangt vom Krieger Kommunikation und Konfrontation. Nichts ist besser für einen Krieger geeignet, sein Wissen und seine Energie zu mehren, als das Ringen den kleinen Tyrannen. Das sind Mitwesen, die aufgrund ihrer scheinbaren Machtfülle und dem persönlichen Strebens nach eigenen Vorteil bewirken können, daß man Schwierigkeiten und Probleme bekommt. Jeder Krieger ist darauf bedacht, sich solche scheinbaren Quälgeister nutzbar zu machen, indem er sich mit diesen absichtlich auseinandersetzt.
Die kleinen Tyrannen werden deshalb als „klein“ bezeichnet, weil sie im Vergleich zum Tod und der absoluten Macht, die als der Adler bezeichnet wird, wie Zwerge wirken. Es gibt verschiedene Klassen von Tyrannen, gemessen an ihrer persönlichen Machtfülle und den damit verbundenen Einflussmöglichkeiten und Auswirkungen, die sie auf das Leben eines Kriegers haben können.
Je größer die Machtfülle des Tyrannen, desto besser für den Krieger und umso größer das Potential des Kriegers an dieser Auseinandersetzung zu wachsen.
Ein Krieger nimmt dankbar jede noch so anspruchsvolle Herausforderung an, um
1. Den Eigendünkel zu bekämpfen
2. Innere Stille und Disziplin zu erreichen
3. Energie zu gewinnen
4. Seinen Willen zu stärken
Die folgende Aufstellung stellt nur eine grobe Leitlinie dar, die je nach erfahrungswert erweitert werden kann. Je nach persönlichem Erleben.
| 1. | Die popligen winzigklitzekleinen Tyrannen | machen traurig und melancholisch | ||
| 2. | Die popligen klitzekleinen Tyrannen | wollen dich mit ihren Problemen verstricken | ||
| 3. | Die popligen kleinen Tyrannen | lassen dich nicht auf deiner Ebene handeln | ||
| 4. | Die popligen Tyrannen | wollen dich zu ihrem eigen Vorteil überreden | ||
| 5. | Die winzigklitzekleinen Tyrannen | belügen und hintergehen dich und sind nicht vertrauenswürdig | ||
| 6. | Die winzigkleinen Tyrannen | richten materiellen Schaden an | ||
| 7. | Die klitzekleinen Tyrannen | fügen dir leichte körperliche Schmerzen zu | ||
| 8. | Die kleinen Tyrannen | fügen dir schwere Schmerzen bis hin zum Tod zu |
Die Reihenfolge dieser Klassifizierung ist willkürlich und kann nicht alle Leidenspotentiale in ihrer Schwere berücksichtigen, so wie jeder einzelne sie dann empfindet. Wichtig dabei ist, sich der Herausforderung zu stellen und sich nicht zu entziehen.
Die kontrollierte Torheit
Die kontrollierte Torheit ermöglicht es dem Krieger, sich mit Menschen, trotz einer grundverschiedenen Weltsicht auszutauschen und seine makellosen Handlungsweisen zu entwickeln (wie zum Beispiel das ausmerzen des Eigendünkels ).
Er belässt im Großen und Ganzen sein Umfeld, so wie es ist, denn es ist sein Pirschfeld auf dem er wie durch die Kulissen eines Theaters durchs Leben geht, um zu lernen. Nicht jede Begegnung mit anderen Menschen ist dafür gedacht, die persönlichen Überzeugungen und Handlungsweisen des Gegenübers zu verändern. Es ist dann oft besser für eine im Sinne des Kriegers sinnvollere Auseinandersetzung mit seiner Mitwelt, wider besseren Wissens so zu handeln, ob man nichts weiß, auch um zum Beispiel eigene primäre Ziele leichter umzusetzen.
Der Krieger besitzt nicht die Wichtigkeit, andere immer unbedingt vom eigenen, vermeintlich richtigen Weg überzeugen zu müssen. Er würde dabei oft nicht nur sich selbst, sondern auch sein Gegenüber energetisch erschöpfen.
Natürlich gibt es Ausnahmen und diese zu erkennen, obliegt dem Krieger, Kraft seiner Möglichkeiten, Zeichen zu erkennen und die Plattform der kontrollierten Torheit zu verlassen. Die Möglichkeiten hierfür schafft er sich durch die besondere Wahrnehmungsfunktion des Sehens, Träumens und dem Verstehen und deuten von Omen. (Zeichen der Schicksalsmacht der Absicht).
Omen (Zeichen der Schicksalsmacht)
Krieger versuchen ihr Schicksal zu kontrollieren und im Sinne der sogenannten Absicht zu handeln. Alles was dem Krieger widerfährt, leitet ihn auf dem Weg des Wissens und sein Unterfangen, Kraft zu jagen. Deshalb ist es wichtig die Wege der Absicht zu erkennen, ein Omen richtig zu deuten und entsprechend zu handeln.
Nicht jede Begebenheit die im Leben auf den Krieger trifft, muß ein Omen bedeuten.
Gerade in der heutigen Zeit, verlangen die Menschen nach Aufklärung und Bestimmung ihres Lebensweges. In diesem Zusammenhang gibt es viele Fehlinterpretationen, insbesondere wenn Menschen meinen, sie müßten außer das Hören von Weissagung nichts dazu tun, um Änderung ihrer jeweiligen Situation zu bewirken.
Bei den Tolteken haben Omen eine tragende Bedeutung in der Beurteilung von Begegnungen, seien es nun Begegnungen mit Dingen, Pflanzen, Tieren, Menschen oder Kräften. Auch Krieger irren sich, weil sie entweder zu wenig Wissen oder zu wenig persönliche Kraft besitzen, um die Zeichen zu erkennen. Mit fortschreitendem Lernen, werden solche Fehltritte aber immer seltener, da der Krieger aufgrund seines direkten Arbeitens an der Verbindung zur Schicksalsmacht, der Absicht und andere Praktiken immer mehr über diese Macht weiß und nutzen kann. Nicht nur das er Schritte sieht, die anderen noch verborgen sind, sondern er steuert irgendwann bewußt sein Schicksal und damit auch die Dinge die ihm wiederfahren, seine ganze Existenz.
Sehen
Sehen bezeichnet eine besondere Wahrnehmungsfunktion, die nichts mit dem normalen Schauen unserer Augen zu tun hat. Es ist ein inneres, intuitives erfassen des Wesens aller Dinge und Situationen dieser Welt. Es gibt verschiedene Pirschtechniken die das Sehen trainieren. Zum Beispiel die Techniken des Nicht-Tuns und das Anhalten des inneren Dialogs.
Demut
Die Demut eines Kriegers ist nicht die Demut eines Durchschnittsmenschen. Ein Krieger beugt den Kopf vor niemanden, erwartet aber auch nicht, daß andere den Kopf vor ihm beugen. Trotzdem ist er demütig gegenüber Menschen, Tieren, Pflanzen und Kräften, weil er sich und seine Handlungen nicht wichtig nimmt. Er betrachtet nichts als geringer- oder höherstehender und ist sich darüber bewußt, daß jede Form von Existenz seine eigenen Möglichkeiten besitzt.
Die Überwindung des Eigendünkels (Selbstsucht)
Die eigene Wichtigkeit zu verlieren, (den Eigendünkel, die Selbstsucht) ist eine der grundlegenden Praktiken des Kriegers. Und das heißt nicht sich zwanghaft damit zu beschäftigen, diese zu verlieren, sondern er sieht es als lebenslange Aufgabe sich und seine Taten immer wieder selbst in Frage zu stellen (sich selbst anzupirschen). Die Bekämpfung des Eigendünkels ist für einen Krieger eine der größten Herausforderungen und ist für sein Wachstum unabdingbar.
Es ist für einen Krieger ein unmögliches Ding, die eigene Wichtigkeit zu verlieren, um sich dann hernach anderen Überlegen zu fühlen.
Selbstbewußtsein
Selbstbewußtsein zu besitzen heißt, daß der Glanz der Bewußtheit aufgrund der makellosen Handlungsweisen eines Kriegers, weiter anwächst. Er wird sich immer mehr der eigenen Stärken, aber auch der eigenen Schwächen bewußt. Er hat somit immer herausfordernde Ansatzpunkte sich stetig weiter anzupirschen und sich dadurch zu entwickeln.
Selbstbewußtsein zu haben bedeutet für einen Krieger nicht, von anderen Bestätigung und Anerkennung zu erheischen oder zu erwarten und sich dadurch gut und wichtig zu fühlen.
Anhalten des inneren Dialogs (Anhalten der Welt)
Das Anhalten der Welt ist ein Bewußtseinszustand der heute allgemein auch als Meditation bekannt ist. Im gängigem Kontext wird er mit einem Rückverbinden der Ursprungsmacht, Gott dem Allmächtigen oder auch mit einer unpersönlichen Kraft interpretiert.
Bei den Tolteken wird vom Anhalten des ersten und das Rückverbinden mit den zweitem Ring der Kraft gesprochen Dadurch wird es dem Krieger möglich, die Funktionen des zweiten Ringes der Kraft, dem Unbekannten, dem Nagual zu nutzen.
Er kann sich dadurch eine nichtalltäglichen Wirklichkeit erfahren und diese Tatsache für die verschiedensten Dinge nutzen(z.B. Krankheiten heilen, Zusammenhänge erkennen, Kraft schöpfen).Die Techniken zum Anhalten des inneren Dialogs sind vielfältig und die Möglichkeiten die sich daraus ergeben grenzenlos.
Nicht- tun des Selbst
Das Nicht- Tun umfasst mehrere Techniken der Pirscher, die sich ständig erweitern.
Eine unvollständige Aufzählung beinhaltet zum Beispiel:
Das Nicht-tun der Gewohnheiten, das Nicht-tun der persönlichen Geschichte, das Nicht-tun der eigenen Wichtigkeit, das Nicht-tun der Zweifel und der Reue, das Nicht-tun der Sorgen, das Nicht-tun des Glaubens und der Erwartungen, das Nicht-tun des Sprechens.
Die Rekapitulation des Lebens
Das Ziel der Tolteken ist sich zu vervollständigen und mit der Ganzheit ihres Selbst in ihrer vollen Bewußtheit zu der ursprünglichen Kraft zurückzukehren aus der sie ursprünglich stammen. Dafür müssen sie alle Erlebnisse ihres Lebens noch einmal in voller Aufmerksamkeit und Härte durchleben, um so eine Kopie ihres Bewusstseins anzufertigen, daß sie dann der schöpfenden Macht zur Verfügung stellen. Anders gesagt, werden die durch das Leben geschaffenen und noch vorhandenen Ecken und Kanten durch die Rekapitulation vollends beschliffen, um glatt durch den Tunnel des Lichts gehen zu können, ohne an irgendeiner Stelle festzuhaken und vielleicht in einer neuen vielleicht nicht so erfreulichen Existenz, neu Geburt nehmen zu müssen.
Nicht-Tun
Glauben ohne zu Glauben( Glauben ohne zu Erwarten)
Unsere Welt ist ein Gedankengebäude welches die Gemeinschaft, aber auch das Individuum, aufgrund der Interaktionen mit der Mitwelt ständig neu entwickelt und gestaltet. Die dabei erlangten Wahrheiten bilden wiederrum die Plattformen für neue Wahrheiten und Realitäten.
Ein Praktizierender des toltekischen Wissens beobachtet diese Vorgänge in seinem normalen Lebensumfeld ganz genau und nutzt diese Mechanismen für sich, um nicht nur sein Bewußtsein zu erweitern, sondern essenzielle Bewußtheit zu erlangen.
Dabei wendet er die Aufgabe; Glauben ohne zu Glauben, bzw. das Glauben ohne zu Erwarten an, welche eine Übung des Nicht-Tuns, eine Technik der kontrollierten Torheit und ein Bestandteil der Pirschtechniken eines Kriegers ist.
Ein Krieger handelt immer so, als ob er vollkommen von seinen Handlungen überzeugt ist und an sie glaubt. Er investiert sein ganzes Sein in eine Handlung, für die er sich bewußt entschieden hat, ohne aber wie normalerweise üblich, eine Belohnung zu erwarten. Er handelt nur des Handelns willens, um immer mehr Losgelößtheit von seinen Erwartungen, Überzeugungen und Taten zu erlangen.
In der Kommunikation mit anderen Menschen entwickelt er die Freiheit, jegliche Information vorbehaltlos anzunehmen oder abzulehnen, ohne daran zu glauben, ohne diese als endgültige Wahrheit zu betrachten und sich zwanghaft damit zu beschäftigen.
So kann ein Krieger zum Beispiel ein Anführer einer Bewegung sein und die Ziele dieser Bewegung vehement nach außen hin vertreten, ohne sich tatsächlich mit diesen Zielen direkt zu identifizieren. Er macht sich also immer weniger abhängig von seiner Taten und Anhaftungen, die sich aus diesen ergeben. Letztendlich trainiert er so seine persönliche Freiheit.
Immer das bestmögliche zu geben und Energie aufzusparen, bedeutet die Makellosigkeit eines Kriegers.
Fördernde und hindernde Eigenschaften
Es gibt hindernde Eigenschaften, die wir aber irgendwann wieder loslassen sollten, weil diese Attribute früher oder später mit Leid verbunden sein werden.
Und es gibt hilfreiche Eigenschaften, die sich im Laufe des Lebens zu entwickeln lohnen und uns irgendwann nicht mehr durch das Leben stolpern, sondern gleiten lassen werden.
Handlungsgrundlagen
In der Umsetzung sind das folgende Handlungsempfehlungen, die ein weitreichenderes Wachstum möglich machen.
Wird fortgeführt Stand 16.07.26