Ein Wissender ist ein Mann der ehrlich die Mühen des Lebens auf sich genommen hat. Ein Mann, der ohne Überstürzung oder Zögern die Geheimnisse von Macht und Wissen gelöst hat, so weit er es konnte.

Carlos Castaneda

Energiekörper und Montagepunkt

Die Emanationen des Adlers

Im Großen und Ganzen übernehmen wir vom Zeitpunkt der Geburt an, die Weltbeschreibung unserer Eltern oder anderer Autoritäten. Nach und nach lernen wir dann die Welt annähernd so zu beschreiben und zu nutzen, wie es uns beigebracht wurde. In Kombination mit der eigenen Persönlichkeitsstruktur werden dann häufig ähnliche Welten geschaffen, die mal mehr, mal weniger mit dem derzeit vorherrschenden Weltbild übereinstimmen. Im Allgemeinen bestätigen wir aber das gelernte, ohne uns groß zu fragen, was die eigentliche Grundlage all dieser Strukturen und Verbindlichkeiten sind.

Die Tolteken stellen sich diese Frage und durch eine besondere Wahrnehmungsfunktion, die sie als das Sehen bezeichnen, erkunden sie auch durch verschiedenste andere Strategien die Unermesslichkeit unseres Daseins. Dabei sahen sie, dass die uns umgebene Welt bei weitem nicht so fest ist, wie sie dem Durchschnittsmenschen erscheinen mag.
Das Sehen erlaubt es dem Krieger, die Welt als ursächliche Energie wahrzunehmen. Für ihn steht hinter allem die Energie, das spirituelle Sein, welches die materiellen Zustände formt. Wenn ein Krieger der das Sehen beherrscht, einen Menschen sieht, erscheint er ihm als eiförmiges Energiefeld, verschiedenster Formausprägungen und Farbnuancen. Unter anderem kann der Seher beim Betrachten der energetischen Blase im Energiekörper, bestimmte Wesenszüge, die derzeitige Disposition und auch Krankheiten wahrnehmen.

Am Auffälligsten ist für die Seher ein Punkt im leuchtenden Ei, der intensiver „leuchtet“ als das Umfeld. Dieser Punkt wird als der Punkt an dem unsere Welt zusammengesetzt, beziehungsweise montiert wird bezeichnet. Dieser sogenannte Montagepunkt der mehr oder weniger beweglich ist, bestimmt unsere Wahrnehmung und formt damit unser Weltbild. Es zwingt die Individuen, mangels vorhandener Energie(weil für profane Dinge im Alltag verbraucht) und mangelnde Kenntnisse, die Welt so wahrzunehmen, wie sie dann ihrer Lebenswirklichkeit entspricht.
Im normalen Alltag finden daher meist nur Feinstverschiebungen des Montagepunktes statt, die unsere Stimmungen mal mehr oder weniger stark schwanken lassen. Nur besondere Ereignisse, wie Verlust, Krankheit und andere Extremsituation führen zu einer stärkeren Bewegung und einer Verschiebung der bisherigen Weltsicht, die aber meist nur kurz anhält und nicht immer eine dauerhafte Veränderung der bisherigen Lebensgewohnheiten erreicht.

Der Vorsatz der Praktizierenden der Künste der Tolteken ist es, dieses meist festverankerte Weltbild immer wieder aufzubrechen. Dazu benutzt der Krieger die verschiedenen Techniken des Pirschens, Träumens und die Nutzung der Schicksalsmacht, die Absicht. Ziel ist es den Montagepunkt im inneren der Energieblase in Bewegung zu bringen und wieder fest zu verankern, sich dadurch neue bislang nicht wahrgenommene Welten zugänglich zu machen und diese für die eigene Struktur aktiv zu nutzen.

In der Energieblase selbst gibt es verschiedene Bänder der Bewußtheit mit unzähligen möglichen Positionen, die von dem Krieger durch die bewusste Verschiebung des Montagepunktes genutzt werden können.
Es gibt Bänder die Emanationen haben, die erforsch- und nutzbarer organischer Natur sind, wie die der Pilze, Pflanzen, Tieren oder der Bereich der Materie, wie zum Beispiel Steine, Gase, und Flüssigkeiten. Auch gibt es anorganische aber erforschbare Bänder, als auch Bänder die keinen Zugang bieten, oder eine sofortige Auflösung bedeuteten, wenn sie erreicht würden.
Beim Träumen wandert der Punkt der Wahrnehmung zum Beispiel ein kleines Stück ins Innere und lässt uns andere Welten erfahren. Mit viel Energie und gutem Training kann auch ein Platz ziemlich zentral im Energiekörper erreicht werden, den Platz des stillen Wissens. Er ist die Vorstufe zu dem, was uns erwartet, wenn wir sterben. Man nennt es auch die Glut der Bewusstheit erreichen oder auch den Platz ohne Erbarmen betreten.

Das Ziel eines Kriegers ist es, nicht nur neue Energie und neues Wissen zu sammeln, sondern durch das ausmessen der Unendlichkeit durch immer wieder neue Verlagerungen und Verankerungen des Montagepunkts sich so weit zu schulen und so viel Beweglichkeit zu erlangen, um am Adler (der großen Macht) vorbei zu gehen und die Ganzheit des Selbst zu erreichen.