Ich will dir sagen, worüber wir mit uns sprechen. Wir sprechen über unsere Welt. Tatsächlich halten wir unsere Welt mit unserem inneren Gespräch aufrecht.

Carlos Castaneda

Pirschen, Träumen und Absicht

Das Pirschen, Träumen und das nutzen der Absicht(Schicksalsmacht) sind die drei Techniken die es dem Kriegern ermöglichen, Energie und Wissen zu sammeln. Das Pirschen wird in der Alltagswelt, in der Welt der Dinge, des Verstandes, der ersten Aufmerksamkeit praktiziert, während das Träumen das Abstrakte, Unbewußte, die sogenannte zweite Aufmerksamkeit als Wirkebene hat.
Diese Techniken werden von den Kriegern entsprechend der eigenen energetischen Struktur angewandt, wobei extrovertierte Praktizierende es eher im Pirschen, und Introvertierte es im Träumen zur Meisterschaft bringen.

Beide Systeme, das Pirschen und das Träumen nutzen und steuern durch den Willen die ursächliche Schicksalsmacht, die Absicht.

Die Techniken fußen auf dem Fundament des Kriegerkodexes(Weg der Tolteken). Er definiert die Einstellung die ein Kriegers entwickeln muß, um den Herausforderungen mit dem erforderlichen Kriegergeist entgegenzutreten und der Regel des Nagual. Sie ist die mythologische Plattform und bildet das Weltbid für das agieren des Kriegers in der Welt des Unbekannten, Unerkennbaren.

Kontrolle des Bewußtseins Träumen
Kontrolle des Verhaltens Pirschen
Kontrolle des Willens Absicht
Ordnendes Fundament Regel des Nagual und der Kriegerkodex

Die Regel des Pirschens

Ursprünglich entstammt der Begriff des Pirschens, aus dem archaischen Kontext der Jagd. Es bezeichnet Handlungen die ein Jäger ausführen muß, um bei der Jagd nach Beute erfolgreich zu sein. Auch der toltekische Krieger befindet sich auf der Jagd. Auf der Jagd nach Kraft und Wissen muß er sich den Widrigkeiten seiner Mitwelt, dem Jagdgrund, aber auch seinen eigenen Unzulänglichkeiten stellen. Der Pirscher nutzt für sein spirituelles Wachstum, die verschiedensten ausgeklügelten Strategien, die als die Regeln des Pirschens bezeichnet werden. Diese Regel diszipliniert den Geist des Pirschers und eröffnet ihm immer neue Erfahrungsräume und Handlungsmöglichkeiten. Der Pirscher nutzt für sein spirituelles Wachstum im Gegensatz zum Träumer die Alltagswelt. Aber ähnlich zur Technik des Träumens, wird auch beim Pirschen eine Verschiebung des Montagepunktes bezweckt und genutzt.
Nachfolgend werden die Punkte der Regeln des Pirschens aufgeführt.

Gebote des Pirschens(Die Welt ist ein Geheimnis)
1.Der Krieger betrachtet die Welt als unergründliches Geheimnis.
2.Der Krieger macht sich auf den Weg diese Geheimnisse zu ergründen, ohne zu erwarten und ohne die Hoffnung zu haben dieses Mysterium letztendlich zu verstehen.
3.Auch der Krieger als Teil der Welt sieht sich als Teil dieses Mysteriums.

Prinzipien des Pirschens
1.Ein Krieger wählt sein Schlachtfeld selbst.
2.Ein Krieger läßt alles Unnötige beiseite.
3.Ein Krieger schlägt immer seine letzte Schlacht auf der Erde
4.Ein Krieger handelt losgelöst ohne innere Zwänge
5.Ein Krieger zieht sich bei Bedarf zurück
6.Ein Krieger verdichtet die Zeit.
7.Ein Krieger nimmt sich nicht wichtig. Ein Krieger ist demütig.

Attribute des Pirschens
1. Voraussicht
2. Disziplin
3. Kontrolle
4. Momentum
5. Wille

Stimmungen des Pirschens
1. Rücksichtslosigkeit ist nicht Härte
2. List ist nicht Grausamkeit und Heimtücke
3. Geduld ist nicht Nachlässigkeit oder Faulheit
4. Sanftheit ist nicht Albernheit und Schwäche

Die kleinen Tyrannen
Die Auseinandersetzung mit sich selbst und seiner Mitwelt, verlangt vom Krieger Kommunikation und Konfrontation. Nichts ist besser für einen Krieger geeignet, sein Wissen und seine Energie zu mehren, als das Ringen mit den kleinen Tyrannen. Das sind Mitwesen, die aufgrund von ihrer persönlichen Vorteilsnahme bewirken, daß man Schwierigkeiten und Probleme bekommt. Jeder Krieger ist darauf bedacht, sich solche scheinbaren Quälgeister nutzbar zu machen, indem er sich unter zu Hilfenahme der Kriegerstrategien, mit diesen absichtlich auseinandersetzt.
Die kleinen Tyrannen werden deshalb als „klein“ bezeichnet, weil sie im Vergleich zum Tod, der der einzig wahre Tyrann in der Welt der Krieger ist, wie Zwerge wirken. Es gibt verschiedene Klassen, gemessen an den Auswirkungen was kleine Tyrannen im Leben jedes Menschen anrichten können. Die folgende Aufstellung stellt nur eine grobe Leitlinie dar, die je nach Erfahrungswert erweitert werden kann. Je nach persönlichen Erleben.

1.Die popligen winzigklitzekleinen Tyrannen machen traurig und melancholisch.
2.Die popligen klitzekleinen Tyrannenwollen dich mit ihren Problemen verstricken
3.Die popligen kleinen Tyrannenlassen dich nicht auf deiner Ebene handeln
4.Die popligen Tyrannenwollen dich zu ihrem eigen Vorteil überreden
5.Die winzigklitzekleinen Tyrannen belügen und hintergehen dich und sind nicht vertrauenswürdig
6,Die winzigkleinen TyrannenRichten materiellen Schaden an
7.Die klitzekleinen Tyrannen Fügen dir leichte körperliche Schmerzen zu
8.Die kleinen Tyrannen Fügen dir schwere Schmerzen bis hin zum Tod zu

Die Reihenfolge dieser Klassifizierung ist willkürlich und kann nicht alle Leidenspotentiale in ihrer Schwere berücksichtigen, so wie der einzelne sie dann empfindet. Wichtig ist dabei, daß man sich der Herausforderung entgegenstellt und sich ihr nicht entzieht.

Die kontrollierte Torheit
Die kontrollierte Torheit ermöglicht es dem Krieger, sich mit Menschen und Situationen, in für ihn förderlicher Weise auseinanderzusetzen. Es ermöglicht ihm, sich trotz einer vollkommen anderer Weltsicht und Lebensweise, weiterhin mit seinem Gegenüber auszutauschen. Denn die persönlichen Überzeugungen können oft Unverständnis und sogar Feindseligkeiten auslösen, die der Krieger nicht immer anstrebt. Es ist dann oft besser, für eine im Sinne des Kriegers sinnvolle Auseinandersetzung mit seiner Mitwelt, wider besseren Wissens so zu handeln, als ob er nichts weiß. Auch besitzt der Krieger nicht die Wichtigkeit, andere unbedingt vom eigenen, vermeintlich richtigen Weg überzeugen zu müssen. Er würde dabei oft nicht nur sich selbst, sondern auch sein Gegenüber energetisch erschöpfen. Deshalb belässt ein Krieger im Großen und Ganzen sein Umfeld so wie es ist, denn es ist sein Pirschfeld auf dem er wie durch die Kulissen eines Theaters durchs Leben geht.
Natürlich gibt es Ausnahmen und diese zu erkennen obliegt dem Krieger Kraft seiner Möglichkeiten, Zeichen zu erkennen wann es angebracht ist, die Plattform der kontrollierten Torheit zu verlassen. Die Möglichkeiten dies zu erkennen schafft er sich durch die besondere Wahrnehmungsfunktion des Sehens, Träumens und dem Verstehen und Deuten von Omen. (Zeichen der Schicksalsmacht der Absicht).
Die kontrollierte Torheit ermöglicht es dem Krieger in der Auseinandersetzung mit Menschen und Situationen, seine makellose Handlungsweise zu entwickeln.

Anhalten des inneren Dialogs (Anhalten der Welt)
Das Anhalten der Welt ist ein Bewußtseinszustand der auch als Meditation bezeichnet wird. Im normalen Kontext wird er mit einem Rückverbinden mit der Ursprungsmacht, Gott, dem Allmächtigen interpretiert.
Bei den Tolteken wird aber vom Anhalten des ersten und das Rückverbinden mit den zweitem Ring der Kraft gesprochen Dadurch wird es dem Krieger möglich, die Funktionen des zweiten Ringes der Kraft, dem Nagual zu nutzen.
Er kann sich dadurch nicht nur eine andere Wahrnehmung zugänglich machen, sondern diese zusätzlichen Möglichkeiten für andere Zwecke nutzen(z.B. Krankheiten heilen, Zusammenhänge erkennen, Kraft schöpfen).Die Techniken zum Anhalten des inneren Dialogs sind vielfältig

Nicht- tun des Selbst
Das Nicht- Tun umfasst mehrere Techniken der Pirscher, die sich ständig erweitern.
Eine unvollständige Aufzählung beinhaltet zum Beispiel:
Das Nicht-tun der Gewohnheiten, das Nicht-tun der persönlichen Geschichte, das Nicht-tun der eigenen Wichtigkeit, das Nicht-tun der Zweifel und der Reue, das Nicht-tun der Sorgen, das Nicht-tun des Glaubens und der Erwartungen, das Nicht-tun des Sprechens.
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Die Rekapitulation des Lebens
Das Ziel der Tolteken ist sich zu vervollständigen und mit der Ganzheit ihres Selbst in ihrer vollen Bewußtheit zu der ursprünglichen Kraft zurückzukehren aus der sie ursprünglich stammen. Dafür müssen sie alle Erlebnisse ihres Lebens noch einmal in voller Aufmerksamkeit und Härte durchleben, um so eine Kopie ihres Bewusstseins anzufertigen, daß sie dann der schöpfenden Macht zur Verfügung stellen. Anders gesagt, werden die durch das Leben geschaffenen und noch vorhandenen Ecken und Kanten durch die Rekapitulation vollends beschliffen, um glatt durch den Tunnel des Lichts gehen zu können, ohne an irgendeiner Stelle festzuhaken und vielleicht in einer neuen vielleicht nicht so erfreulichen Existenz, neu Geburt nehmen zu müssen.
zu müssen.

Träumen

Das Träumen ist zusammen mit dem Sehen und auch dem Fühlen als Teil des zweiten Ringes der Kraft direkt über die Funktion des Willens mit der Absicht und damit mit dem Unbekannten, dem Nagual verbunden. Es ist aber die einzige der drei Funktionen, die nicht im Wachbewußtsein aktiv genutzt wird, sondern im Schlaf. Die Träumer haben, wie erwähnt, aufgrund ihrer psychischen Disposition, eher die Fähigkeiten den unbewußten Teil, des Selbst zu nutzen. Es wird in diesem Bereich unbekannte, unfassbare, bislang unentdeckte Welten wahrgenommen und auch in diesen bewußt gehandelt.

Nicht-tun der Blickfixierung
Dieses Nicht-Tun ist Teil von verschiedenen Traumtechniken, die sich auch teilweise mit den Pirscherübungen überschneiden. Es sind aber im Kern Techniken die die Verbindung zur zweiten Aufmerksamkeit stärken und viel mehr in den transzendenten Bereich unserer Ganzheit ansprechen.
Eine Auswahl sind zum Beispiel diese Übungen:
Horchen auf die Geräusche der Welt, das richtige Gehen, das Suchen nach dem Rastplatz, das Fühlen der Linien der Welt, das Gaffen, das Nicht-tun des Schlafens und der Träume.

Die Absicht ( Die Schicksalsmacht)

Die Absicht ist die kreative Kraft die aufgrund der Handlungen aller Existenzen, das entsprechende „Schicksal“ formt. Jeden Schritt den wir machen, bestimmt laut der toltekischen Lehre die Absicht und wir bestimmen durch unser Verhalten wie sich die Absicht auf uns auswirkt. Die direkte Verbindung zur Absicht ist der Wille, die zentrale Steuereinheit des zweiten Ringes der Kraft. (Im Gegensatz zum Verstand, die Steuereinheit des ersten Ringes der Kraft). Über unseren Willen können wir die Absicht direkt beeinflussen und dadurch andere Wirklichkeiten erfahren und uns nutzbar machen, zum Beispiel das Erkennen von Zeichen (Omen).
Durch unsere Handlungsweisen rufen wir bestimmte Ereignisse hervor, auch wenn wir diese Zusammenhänge nicht immer erkennen können. Umso mehr ein Mensch auf dem Weg des Wissens voranschreitet und Energie sammelt, um dieses Wissen umzusetzen, umso weniger ist derjenige der Schicksalsmacht willkürlich ausgeliefert. Mit fortschreitendem Wissen treten immer weniger Unvorhersehbarkeiten in das Leben eines Kriegers. Er lebt immer mehr im Einklang mit dieser Macht, versteht und steuert sie durch seinen Willen. Die Tolteken sprechen in diesem Fall auch vom Anrufen der Absicht.

Omen (Zeichen der Schicksalsmacht)
Krieger versuchen ihr Schicksal zu kontrollieren und im Sinne der sogenannten Absicht zu handeln. Alles was dem Krieger widerfährt, leitet ihn auf dem Weg des Wissens und sein Unterfangen, Kraft zu jagen. Deshalb ist es wichtig die Wege der Absicht zu erkennen und ein Omen richtig zu deuten und entsprechend zu handeln.

Nicht jede Begebenheit die im Leben auf den Krieger trifft, muß ein Omen bedeuten.
Gerade in der heutigen Zeit, verlangen die Menschen nach Aufklärung und Bestimmung ihres Lebensweges. In diesem Zusammenhang gibt es viele Fehlinterpretationen, insbesondere wenn Menschen meinen, sie müßten außer das Hören von Weissagung nichts dazu tun, um Änderung ihrer jeweiligen Situation zu bewirken.

Bei den Tolteken haben Omen eine tragende Bedeutung in der Beurteilung von Begegnungen, seien es nun Begegnungen mit Dingen, Pflanzen, Tieren, Menschen oder Kräften. Auch Krieger irren sich, weil sie entweder zu wenig Wissen oder zu wenig persönliche Kraft besitzen, um die Zeichen zu erkennen. Mit fortschreitendem Lernen, werden solche Fehltritte aber immer seltener, da der Krieger aufgrund seines direkten Arbeitens an der Verbindung zur Schicksalsmacht, der Absicht und andere Praktiken immer mehr über diese Macht weiß und nutzen kann. Nicht nur das er Schritte sieht, die anderen noch verborgen sind, sondern er steuert irgendwann bewußt sein Schicksal und damit auch die Dinge die ihm wiederfahren, seine ganze Existenz.